Diesellokomotive 120 274

Streckendiesellok- rollfähig
für den Reise- und Güterzugdienst

Die Baureihe V200, bei der Deutschen Reichsbahn ab 1970 als 120 bezeichnet, wurde ab 1964 in der Lugansker Lokomotivfabrik hergestellt. Die V200 setzte sich hauptsächlich aus den Komponenten der russischen Baureihe 2 TE 3, dem eigentlichen Vorläufer der DR V200, zusammen. Das wichtigste Merkmal dieser Baureihe war und ist das Prinzip der diesel-elektrischen Leistungsübertragung des Lokomotivantriebes – eine Spezialisierung der Lugansker Lokomotivfabrik „Oktoberrevolution“.

Im Dezember 1966 erhielt die Deutsche Reichsbahn die ersten Vorauslokomotiven aus Lugansk. Diese wurden bei der VES-M Halle intensiven Zugkraftmessungen unterzogen. Die Maschinen erhielten die Lokomotivnummern V200 001 und V200 002.
Der Motor (14 D 40) der BR V 200 war wesentlich größer als der Motor (12 KVD 21) der Baureihe V180. Am Dieselmotor war der ebenso imponierende, wie große Hauptgenerator angeflanscht, der das Herzstück der diesel-elektrischen Leistungsübertragung darstellt. Die Führerstände der V200 wirkten spartanisch, hatten aber gegenüber de V180 den großen Vorteil, dass die Geräusche aus dem Maschinenraum durch eine wirksame Schallisolation gedämpft wurden. Außerhalb der Lokomotive war der Schallpegel des Zweitaktdieselmotors jedoch immens. Die Lugansker Ingenieure hatten bei der V200 keinen Schalldämpfer vorgesehen und somit wurden die Abgasschläge des Zweitakt-Diesels direkt hörbar. Die Loks bekamen aufgrund dieses geräuschvollen Umstandes den Beinamen “ Taigatrommel“. Ab der V200 108 bis V200 177 erhielten die Maschinen dann einen Schalldämpfer, der von den Technikern der DDR entwickelt wurde. An der Lok V200 178 und den folgenden wurde vom Lugansker Werk ein Schalldämpfer russischer Bauart serienmäßig eingebaut. Da die Baureihe V200 keine Zugheizung besaß, wurde sie hauptsächlich im Güterverkehr der Deutschen Reichsbahn eingesetzt.

Ende 1992 wurde die Ausmusterung der V200, bei der vereinigten DB als Baureihe 220 in Zweitbesetzung bezeichnet, vorangetrieben. Die letzten Bahnbetriebswerke für diese Lokomotiven waren Gera, Leipzig-Wahren und Dresden-Friedrichstadt. Im Zuge der Ausmusterung der V200 wurden auch 30 Maschinen nach Litauen abgegeben. Weitere Maschinen dieser Baureihe wurden nach Nordkorea verkauft bzw. zerlegt. Die 120 274-6 wurde 1969 in der Lugansker Diesellokomotivfabrik „Oktoberrevolution“ mit der Fabriknummer 0676 erbaut und als V200 274 von der Deutschen Reichsbahn in Dienst gestellt. Mit ihr blieb im Eisenbahnmuseum Bw Arnstadt/hist. eine Vertreterin dieser markanten Baureihe erhalten.